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Antifaschismus als »Hysterie«

Der Vorsitzende des BBKL zeigt, wie gut die Neue Rechte im Kunstfeld agieren kann.(Britt Schlehahn im Leipziger Stadtmagazin Kreuzer)

Die politische Haltung von Kunstschaffenden bleibt in Leipzig weiterhin Thema. Dafür sorgt eine Ausstellungseröffnung des Bund Bildender Künstler Leipzig. Teil ihrer Ausstellung ist auch der Maler und AfD-Sympathisant Axel Krause.

Am Donnerstag eröffnet die Ausstellung »Voila! 30 Jahre Bund Bildender Künstler Leipzig« (BBKL). Unter den vielen Kunstschaffenden findet sich auch der Name des Malers Axel Krause. Im Gespräch mit der LVZ sagt Tobias Rost, Vorsitzender des BBKL und Projektleiter der Ausstellung, dass man eine solche Situation aushalten muss.

Nur was muss da ausgehalten werden? Schon im September 2018 warf die Galerie Kleindienst Krause aus ihrem Programm. Seine antidemokratische Meinungsmache per Social Media konnte und wollte sie nicht mehr ertragen. Heute wird Krause von der Galerie Thomas Punzmann in Frankfurt am Main vertreten. Sowohl Galerist als auch Künstler sind Mitglieder im Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. Sie lädt beispielsweise zu Seminaren wie »Statementtraining« oder »Rhetorische Wirktechniken 1« ein. Krause dient rechten Schreibern als Vorbild für eine sogenannte »neue Kunst«.

Amnesie im BBKL

BBKL-Vorsitzender Rost bezeichnet die Debatte um Krause gern mal als »hysterisch«. Was das Aushalten anbelangt, verweist der BBKL in einer Pressemitteilung auf Formalien, die das Ausstellen von Arbeiten des Neumitglieds Krause geradezu erzwingen. So ist es zumindest einem Interview von Rost mit dem MDR zu entnehmen.

Ganz offensichtlich herrscht im BBKL gerade etwas Amnesie vor. Als der kreuzer dort vergangene Woche nachfragte wie die Auswahl der Kunstschaffenden überhaupt erfolgte, lautet die Antwort nämlich: die Schau »zeigt die Arbeiten aller Mitglieder des Vereins, die sich für die Teilnahme beworben haben. Die Projektleiter Tobias Rost und Dirk Richter haben aus den Einreichungen die Ausstellung kuratiert.«

»Unterkomplexes, verlogenes Argument«

Nachgefragt bei Fabian Bechtle vom Forum Demokratische Kultur und Zeitgenössische Kunst: »Muss man das wirklich aushalten?« Er erklärt: »Aushalten ist in diesem Zusammenhang ein unterkomplexes, verlogenes und ignorantes Argument, denn es handelt sich um eine aktive Entscheidung. Man schafft selbst eine Situation und feiert sich dann als liberal, weil man die eigene Entscheidung aushält. Das geht nur wenn man Rassismus, Verschwörungsglauben und eine asoziale Haltung als Meinung adelt und gleichzeitig sich als nichtzuständig sieht.« Mit so einer Haltung unterminiere man »die Bemühungen anderer um die Demokratie und entsolidarisiert sich in der Konsequenz mit den Betroffenen von verbaler und physischer Gewalt von Rechtsextremen und ihren Follower«, sagt Bechtle.

Es macht den Eindruck, die Debatten um antidemokratische Haltungen von Kunstschaffenden und deren rechte Netzwerke besitzen keine Wirkung. Bechtle verweist in diesem Zusammenhang auf die Debatte um die Leipziger Jahresausstellung, über die auch der kreuzer (06/19) berichtete. Auch Krause stand damals auf der Liste der Ausstellenden. Nur habe man das Falsche aus dieser Debatte gelernt: »Nun wird im Vorfeld aktiv versucht sich gegen mögliche Vorwürfe zu immunisieren, in dem man sich in einem Statement von rechtsextremen politischen Ansichten distanziert und nahezu gleichzeitig mögliche Kritik als Hysterie verunglimpft. Jemand wie Krause entwickelt da sicher ein gewisses Heimatgefühl. Ich hoffe, dass es den anderen BBKL-Mitgliedern nicht auch so geht«, sagt Bechtle.

Offene Vorstandssitzung nach der Eröffnung

Der BBKL reagiert auf den Protest von Kunstschaffenden, die sich weigern mit Krause auszustellen, mit einer offenen Vorstandssitzung am Freitag. Es geht darum »Gerüchten und Falschdarstellungen entgegenzuwirken«. In der Einladung wird auf die demokratische Basis des Vereins verwiesen, auf das hohe Gut der Meinungsfreiheit, aber auch explizit vor »Versuchen der Einschüchterung, Bedrohung und Verleumdung des Vereins« gewarnt. Er besitzt »kein Interesse« – »eine künstlerische Jahresschau zu einem Politikum aufzubauschen und politischen Richtungen damit eine Plattform zu bieten.«

Nachtrag: Wie der MDR berichtete, wurde Axel Krause nun wegen Sicherheitsbedenken der Versicherung von der Ausstellung ausgeladen.

BRITT SCHLEHAHN