• Veranstaltungen

Märtyrerkult und populistische Bewegungen

Mittwoch, 06. November 2019, 19 Uhr

Volksbühne, Grüner Salon, Linienstraße 227, 10178 Berlin

Die Angst vor Kultur-und Identitätsverlust hat einen zentralen Platz in gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Debatten eingenommen. Daraus folgt eine Partikularisierung in Freund-Feind Antagonismen und eine Emotionalisierung von Politik. Die Idee einer universalistischen Gesellschaft scheint ein Auslaufmodel zu sein. Eine Zunahme antisemitischer Rhetoriken und Stereotypisierungen – besonders im Rückgriff auf Verschwörungstheorien – zeigt, wie kultiviert und tradiert der Antisemitismus und seine Codes sind. Die Kontinutäten des Antisemitismus sind Anlass der neuen Veranstaltungsreihe des Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst im Grünen Salon, in der die Bedeutung von Antisemitismus in aktuellen politischen Debatten herausgestellt und reflektiert wird.

  • Presse

„Maßlosigkeit der Begriffe“

Jürgen Kleindienst in der Leipziger Volkszeitung vom 31.07.2019

Die Debatte um die Leipziger Jahresausstellung wurde am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion im Bildermuseum fortgesetzt. Es ging um die Kunstfreiheit, neurechte Diskursstrategien und kulturelle Bildung.

  • Presse

Deutschlandfunk Kultur

Fazit, Sendung vom 30.07.2019

Die Sendung Fazit berichtet von der Podiumsdiskussion "Um des lieben Friedens willen" im Museum der bildenden Künste Leipzig.

  • Presse

Ist die Kunstfreiheit in Gefahr, wenn man rassistische Künstler nicht ausstellen möchte?

Kira Ayyadi auf Belltower.News vom 31.07.2019

Die Leipziger Kunstszene ist in Aufruhr. Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung ist der Axel Krause, ein rassistischer, AfD-naher Maler, der bei der Leipziger Jahresausstellung vertreten sein sollte, nach Protest jedoch ausgeladen wurde. Nun schallt es von rechts, die Kunstfreiheit sei in Gefahr. Die Debatte um Kunstfreiheit ist an dieser Stelle jedoch ein Ablenkungsmanöver

  • Interviews

Das klingt nach völkischer Schicksalsgemeinschaft

Patrice Poutrus im Interview

Die Debatte um die Ähnlichkeiten der Erfahrungen von Migrant*innen und Ostdeutschen findet interessante Parallelen. Der Historiker Patrice Poutrus kritisiert dennoch die Tendenz zu einer großen ostdeutschen Opfererzählung. "Die Treuhand wird als Chiffre benutzt, die Überwältigungserfahrung in die Halluzination einer hinter allem stehenden Macht ersetzt. Von hier ist es dann nicht mehr weit zur Verschwörungstheorie, zu einer Art Dolchstosslegende der 90er."

  • Interviews

Ich lasse mich sehr schnell teilen

Hengameh Yaghoobifarah im Interview

Am 4. Juni 2019 fand die Veranstaltung “#unteilbar denken – ein öffentlicher Think Tank: Über Identitäts- und Umverteilungskämpfe” im Theater Hebbel am Ufer in Berlin statt. Hengameh Yaghoobifarah sah vor allem in der Darstellung der französischen Gelbwesten-Bewegung große Diskrepanzen. Diese war zuvor als positives Beispiel einer Sammlungsbewegung dargestellt worden. Daraus ergab sich die Frage; Wenn die französischen „Gelbwesten“ als vorbildlich beispielhaft für #unteilbar benannt wird – könnten dann auch deren Probleme beispielhaft werden? Yaghoobifarah wies als einzige auf die auffällige Präsenz rechtsradikaler, antisemitischer und verschwörungstheoretischer Personen im Umfeld der Gelbwesten hin.

  • Texte

Öffentliche Debatte stärkt die Kunst- und Meinungsfreiheit

Der gesamte Vorgang und das öffentliche Engagement um die Leipziger Jahresausstellung zeigen, dass die Meinungs- und Kunstfreiheit gewährleistet ist. Anders wäre die breite Diskussion und die nachvollziehbare Entscheidung des Vereinsvorstands und des Vereins so nicht möglich gewesen.

  • Texte

Um des lieben Friedens willen

Der Leipziger Jahresausstellung e.V. hat den AfD-Propagandisten und Maler Axel Krause zu seiner jährlichen Schau Leipziger Kunst eingeladen. Es bedarf einiger Anstrengungen diese Entscheidung nicht – entgegen der Beteuerungen des Vereins – als solidarische Note für Krause zu verstehen.

  • Interviews

Es wird passieren, dass sich mehr Menschen als Ostdeutsche bezeichnen

Naika Foroutan im Interview

Im Mai 2018 hat Naika Foroutan eine Studie zu der Frage angekündigt, ob Ostdeutsche auch Migranten seien. Laut ihrer These erleben beide Gruppen gleichermaßen Stigmatisierung. Wir haben mit Naika Foroutan über diesen viel diskutierten Vergleich und über ein neues „Ost-Erwachen“ gesprochen. Anfang April 2019 wird die besagte Studie der Öffentlichkeit vorgestellt.

  • Interviews

Wir erleben in Teilen der Kunst- und Kulturszene eine Form von Flucht

Samuel Salzborn im Interview

Wir haben mit Samuel Salzborn über einige zentrale Themen des Forums gesprochen. Samuel Salzborn formuliert einen prägnanten Überblick über Kunst- und Meinungsfreiheit, die Verleugnung von Wahrheit und die sich daraus ergebenden Herausforderungen an die Kunst.

  • Veranstaltungen

Vortrag & Diskussion

Donnerstag, 31. Januar 2019, 10 – 12 Uhr

Academy of Fine Arts Leipzig (HGB)
Raum 3.04
Wächterstraße 11
04107 Leipzig

Kulturen des Kuratorischen lädt die Berliner Künstler Fabian Bechtle und Leon Kahane ein, ihr Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst vorzustellen.

  • Veranstaltungen

Antisemitismus als Kontinuität kulturpessimistischer Weltbilder

Sonntag, 25. November 2018, 13 – 19 Uhr

n.b.k.
Neuer Berliner Kunstverein
Chausseestrasse 128/129
10115 Berlin
Deutschland

Tahera Ameer, Fabian Bechtle, Verena Dengler, Julia Bernstein, Sophie Goltz, Anetta Kahane, Leon Kahane, Ismail Küpeli, Marko Martin, Patrice Poutrus

  • Presse

Kulturpessimismus in der Kunst – Radikalisierungen von allen Seiten

Interview von Sarah Alberti (Monopol)

Künstler, Kulturinstitutionen und ihr Publikum sind zunehmend mit Kulturpessimus konfrontiert. Das neugegründete "Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst" betrachtet die politischen Gefahren dieser neuen alten Weltbilder - und lädt am Wochenende zu einer Tagung in Berlin. Wir haben die Initiatoren, die Künstler Fabian Bechtle und Leon Kahane, vorab gesprochen.

  • Presse

Radikal und einfach zugleich

von Dierk Saathoff (jungle.world, 2018/47)

Zwei Künstler haben in Berlin eine Initiative gegründet, die dem derzeit grassierenden Kulturpessimismus entgegenwirken will.

  • Presse

Man muss dagegenhalten

Interview von Kito Nedo (art 11/2018)

Es gilt in der zeitgenössischen Kunst als angesagt, mit politischen Themen zu arbeiten. Doch sich selbst und seine Weltverbundenheit unterzieht der Kunstbetrieb dabei selten einer fundierten Kritik. Angesichts des aktuellen gesellschaftlichen Rechtsrucks stellt sich aber die Frage, wie wirksam rechte Diskurse auch in der Kunstwelt sind. Die Berliner Künstler Fabian Bechtle und Leon Kahane, die sich in ihren eigenen Arbeiten mit Globalisierung, Repräsentation von Zeitgeschichte oder auch politischer Ideologiebildung beschäftigen, haben eine Diskursplattform gegründet, auf der sie unangenehme Fragen stellen.

  • Interviews

Anlass zur Hoffnung

Ida Schildhauer und Christian Petry im Interview

Ida Schildhauer und Christian Petry sind Co-Initiatoren des Forums für demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst. Wir sprachen mit beiden über ihre Erwartungen an das Forum, über Kulturpessimismus und die Rolle der Kunst.

  • Über uns






Die Kunst in der Krise

Das Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst wurde aus der politischen, pädagogischen und künstlerischen Praxis gegründet. Wir beobachten einen zunehmenden Kulturpessimismus innerhalb unserer Disziplinen. Die Kunst ist ein zentraler Indikator für den Zustand der demokratischen Kultur der Gesamtgesellschaft. Mit der zunehmenden Ausformung rechter Bewegungen in Europa geraten die zeitgenössischen Kunst-und Kulturdiskurse unter wachsenden Druck. Diese Entwicklungen machen eine verantwortungsbewusste politische Debatte und Positionierung innerhalb der Kunst notwendig. Die zunehmende Etablierung von neurechten Bewegungen in politischen Ämtern bedeutet ihren operativen Einstieg in Kulturpolitik und Kunstdiskurse. Aus diesem politisch motivierten Interesse heraus ergibt sich die direkte Verantwortung der Kunst, ihre eigenen Diskurse zu prüfen und weiterzuentwickeln. Es gilt, keine Lücken entstehen zu lassen, die durch neurechte Ideologien gefüllt werden.

Kulturpessimismus als politische Gefahr für Kunst und Demokratie

Der Kulturpessimismus ist eine destruktive Perspektive auf die Entwicklung der Welt und bringt einen grundsätzlichen Zweifel an der Möglichkeit des Gestaltens zum Ausdruck. Besonders den gesellschaftlichen Fortschritt in liberalen Gesellschaften deuten die Kulturpessimisten zu Untergangsszenarien der Zivilisation um.

Bereits jetzt beobachten wir entlang kulturpessimistischer Narrative die verstärkte Bildung von künstlerischen bzw. ästhetischen und politischen Querfronten.

Eine ablehnende Haltung gegenüber der Moderne hat in weiten Teilen der Kunstwelt dem Kulturpessimismus den Weg bereitet. Beispielsweise wird die eigene kosmopolitische Lebensrealität als Privileg gelebt und gleichzeitig verachtet. Regressiver Antikapitalismus wird über die Kritik am Kunstmarkt formuliert, antimoderne Tendenzen äußern sich u.a. in der Identifikation mit Traditionalismen. Die Übel der Welt werden in der Moderne und der Globalisierung gesehen, die ihren Ursprung in einem westlichen Kulturimperialismus haben. Daraus resultiert ein Bedürfnis privilegierter Kunstschaffender nach moralischem Ausgleich gegenüber den vermeintlich Unterprivilegierten der „Dritten Welt“. Mitunter wird sich deshalb auf die Seite antiemanzipatorischer Bewegungen gestellt. Eine Identitätspolitik, die sich der Stärkung und Verteidigung von Minderheitenrechten verschrieben hat, läuft Gefahr in das Feld identitärer Politik überzugehen, die das genaue Gegenteil zu bewirken versucht. Häufig drückt sich der Umgang mit dem eigenen Privileg in einer antiimperialistischen Haltung aus – Amerika und der Zionismus dienen ihr als exemplarisches Feindbild.

Die neurechte und identitäre Politik greift auf den völkischen „Ethnopluralismus“ zu, um aus der sogenannten Mehrheitsgesellschaft einen homogenen „Volkskörper“ zu erfinden. Dabei bedient sie sich der Untergangsszenarien des Kulturpessimismus und warnt vor dem „Volkstod“ durch „Umvolkung“ wie vor dem Verschwinden von kulturellen Eigenheiten und Traditionen. Spätestens hier formiert sich kulturpessimistisches Denken gegen die Aufklärung und die Demokratie selbst.

Das Forum

Die Antwort auf den Populismus und das kulturpessimistische Weltbild der neuen Rechten Europas kann nicht Linkspopulismus und Kulturpessimismus unter linken Vorzeichen sein. Die einzige Möglichkeit den politischen Gefahren des Kulturpessimismus zu begegnen ist die Aufklärung. Denn die Aufklärung ist in der Lage ihre eigenen Schuldzusammenhänge aufzuklären und den Missständen der modernen Welt zu begegnen.

Das Forum steht für eine progressive und konstruktive Auseinandersetzung mit der Rolle der Kunst in einer offenen und postmigrantischen Gesellschaft. Deshalb arbeiten wir eng mit Gruppen von Expert*innen zusammen, die sich mit den Bedingungen und Gefahren identitärer Narrative und nationalistischer Bewegungen beschäftigen. Unser Netzwerk beobachtet und dokumentiert die politischen Diskurse der neuen Rechten im Internet und öffentlichen Räumen wie Bildungseinrichtungen. Auf diese Weise können wir schnell und gezielt aktuelle Entwicklungen thematisieren, die Auswirkungen auf Kunst und Gesellschaft haben.

In Vorträgen und Workshops an Kunsthochschulen und Akademien beschreiben wir die gegenwärtigen politischen Gefahren für die Kunst und die Demokratie. Das Forum erarbeitet Möglichkeiten diese künstlerisch zu thematisieren und veranstaltet Konferenzen, Vortragsreihen und Workshops zur politischen Lage der Kunst. Auf dieser Internetseite werden fortlaufend Interviews sowie kritische Beiträge zu Ausstellungen, Veranstaltungen und aktuellen Entwicklungen in der Kunst veröffentlicht.


Das Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst wurde 2018 als Projekt der Amadeu Antonio Stiftung in enger Kooperation mit dem Forschungsgruppe Modellprojekte e.V. gegründet.







Art in crisis

The Forum for Democratic Culture and Contemporary Art was founded to address the current exigencies of political, pedagogic and artistic practice. We are observing a rising level of cultural pessimism within our disciplines. Art is a crucial indicator for the state of democratic culture in society as a whole. With the wider emergence of right-wing movements in Europe, contemporary discourses on art and culture are coming under growing pressure. These developments necessitate a responsible political debate and positioning within the world of art. The increasing establishment of New Right movements in political offices signifies their operative infiltration of cultural policy-making and artistic discourse. This politically motivated interest entails the direct responsibility of art for monitoring and progressing its own discourses. The task is to prevent gaps from forming that are then filled by New Right ideologies.

Cultural pessimism as a political hazard for art and democracy

Cultural pessimism is a destructive approach to ongoing developments worldwide, and expresses a fundamental doubt regarding the very possibility of influencing them. In particular, cultural pessimists are re-interpreting social progress in liberal societies as apocalyptic scenarios of civilizational collapse.

We are already observing along the cultural-pessimism narratives an increased formation of artistic/aesthetic and political Third Positions.

A rejective stance towards modernity has prepared the way for cultural pessimism in large portions of the art world. For example, a person’s own real-life circumstances are experienced as a privilege and at the same time viewed with contempt. Regressive anti-capitalism is formulated through criticism of the art market, while anti-modern tendencies are manifested not least in identification with traditionalisms. The evils of the world are perceived in modernity and globalization, which originate in a cultural imperialism of Western civilization. This results in a need among privileged art creators for moral restitution towards the putative underprivileged of the Third World. This is why they sometimes sign up to anti-emancipatory movements. An identity-driven policy that has set itself to strengthen and defend minority rights is at risk of transposing into the field of identitary politics, which are attempting to achieve the precise opposite. The apperception of experiential privilege is often expressed in an anti-imperialist mindset – America and Zionism serve here as exemplary bogeymen.

The New Right’s identitary policies borrow from tribalistic “ethnopluralism”, so as to invent from the so-called “majority society” a homogenous “genetic stock”. They draw here upon the apocalyptic scenarios of cultural pessimism, and warn us against “racial extinction” through “ethnomorphosis” and the disappearance of cultural identity and traditions. It is here at the latest that culturally pessimistic mindsets are formed in opposition to the Enlightenment as such and democracy itself.

The Forum

The answer to populism and the culturally pessimistic worldview of Europe’s New Right cannot be left-wing-influenced populism and cultural pessimism. The only option for countering the political dangers of cultural pessimism is the Enlightenment, since this is able to elucidate the causal ramifications of the culpability feelings involved and to counter the evils of the modern world.

The Forum stands for a progressive, constructive engagement with the role of art in an open, post-migrant society. We accordingly work closely together with groups of experts who engage with the conditions and dangers of identitary narrative and nationalist movements. Our network observes and documents the political discourses of the New Right on the internet and in public spaces like educational institutions. In this way, we can swiftly and purposefully thematize ongoing developments affecting art and society.

In presentations and workshops at art colleges and academies, we describe the current political dangers for art and democracy. The Forum formulates options for thematizing these in artistic form, and organizes conferences, lecture series and workshops on the political situation of the art world. On this website, interviews and critical postings on exhibitions, events and ongoing developments in the world of art are continually published.


The Forum for Democratic Culture and Contemporary Art was founded in 2018 as a project of the Amadeu Antonio Foundation in close cooperation with the Forschungsgruppe Modellprojekte e.V.(Research Group for Pilot Projects).