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Antisemitismus als Kontinuität kulturpessimistischer Weltbilder

Sonntag, 25. November 2018, 13 – 19 Uhr

n.b.k.
Neuer Berliner Kunstverein
Chausseestrasse 128/129
10115 Berlin
Deutschland

  • Tahera Ameer (Projektleiterin „Aktion Schutzschild“, Amadeu Antonio Stiftung, Berlin)
  • Fabian Bechtle (Künstler, Berlin)
  • Verena Dengler (Künstlerin, Wien)
  • Julia Bernstein (Soziologin, Professur für Diskriminierung und Inklusion in der Einwanderungsgesellschaft, Frankfurt University of Applied Sciences)
  • Sophie Goltz (Kuratorin, Berlin/Singapur)
  • Anetta Kahane (Autorin, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung)
  • Leon Kahane (Künstler, Berlin)
  • Ismail Küpeli (Politikwissenschaftler und Historiker, Bochum)
  • Marko Martin (Schriftsteller und Publizist, Berlin)
  • Patrice Poutrus (Zeithistoriker und Migrationsforscher)

Kulturpessimismus ist eine düstere und destruktive Perspektive auf die Entwicklung der Welt, seine Vertreter*innen deuten insbesondere den Fortschritt in liberalen Gesellschaften zu Untergangsszenarien der Zivilisation um. Antworten auf die sozialen und politischen Veränderungen der Gegenwart findet der Kulturpessimismus in der Beschwörung eines vermeintlich „Eigenen“, „Authentischen“ und sogar „Völkischen“. In kulturpessimistischen Weltbildern finden sich neben rassistischen Vorstellungen kontinuierlich unterschiedliche Ausprägungen von Antisemitismus wieder, der als Antithese zum Universalismus herangezogen wird. Auch in ablehnenden Haltungen zur Moderne sowie in Formen von Antiimperialismus und Antizionismus finden die verschwörungstheoretischen und völkischen Phantasmen des Kulturpessimismus ihren Ausdruck.

Im Rahmen der Tagung des Forums für demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) soll die antisemitische Implikation des Kulturpessimismus aufgezeigt werden, ebenso wie dessen grundsätzliches und intersektional diskriminierendes Vorgehen.

Julia Bernstein nimmt in ihrem Beitrag eine historische, politische und kulturelle Einordnung von bildlichen Darstellungen vor, die sich trotz und wegen ihrer antisemitischen Ikonografie über Jahrhunderte etablierten. In ihrer Forschungsarbeit richtet Julia Bernstein einen besonderen Fokus auf die Rezeption solcher Bilder durch Jüd*innen – eine oft vernachlässigte Perspektive. Tahera Ameer spricht über ihre Arbeit bei „Aktion Schutzschild“, einem Projekt, das die Selbstorganisation von Migrant*innen und Geflüchteten gerade in strukturschwachen Räumen stärkt und ihre Perspektive in den Diskurs einspeist. Ameers Vortrag thematisiert den zum Teil ambivalenten und affirmativen Umgang mit Antisemitismus in ihrem Tätigkeitsfeld.

In ihren künstlerischen Arbeiten beschäftigt sich Verena Dengler mit den Akteur*innen der Neuen Rechten und der Identitären Bewegung in Österreich. Deren Ablehnung der modernen Gesellschaft speist sich aus kulturpessimistischen Weltuntergangsfantasien. In Reaktion darauf flüchten Neurechte und Identitäre in eine romantisierte Darstellung von völkischem Heldentum und Pathos. Der antisemitische Topos der deutschen Romantik äußert sich durch ein deutlich ausgeprägtes Feindbild: „Der Jude“ steht einer vermeintlich „gesunden" und „natürlich gewachsenen“ Gesellschaft entgegen. Ismail Küpeli spricht über den zeitgenössischen türkischen Nationalismus, der sich in seiner Ausformung einer nationalistischen „Hochkultur“ maßgeblich an der deutschen Romantik orientiert.

Patrice Poutrus geht in seinem Vortrag auf die Historie von Schuldabwehr und Täter-Opfer-Umkehr in Deutschland ein. Diese spezifischen Phänomene sieht er nicht in einer von Brüchen geprägten deutschen Geschichte begründet, sondern vielmehr als eine eigene Form der Kontinuität. Die politischen Entwicklungen der Gegenwart lassen sich demnach nicht auf die Probleme der Nachwendezeit reduzieren, sondern sind Ausdruck einer historisch gewachsenen Selbstviktimisierung.

  • Die Tagung ist vom Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst organisiert in Kooperation mit dem Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.), gefördert von der Amadeu Antonio Stiftung und der Bundeszentrale für politische Bildung.

  • Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich, in deutscher Sprache

  • Neuer Berliner Kunstverein, n.b.k., Chausseestr, 128/129, 10115 Berlin, Anfahrt U-Bahn U6 (Oranienburger Tor), Tram M1, M12 (Oranienburger Tor), Bus 12, M1, M6 (Torstr. / Oranienburger Tor)