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Kontinuitäten des Antisemitismus – Zwischen Abwehr von Schuld und Aneignung von Leid

Tuesday, 21. April 2020, 19 – 22 Uhr

Volksbühne, Grüner Salon, Rosa-Luxemburg-Platz 2, 10178 Berlin

Die Angst vor Kultur-und Identitätsverlust hat einen zentralen Platz in gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Debatten eingenommen. Daraus folgt eine Partikularisierung in Freund-Feind Antagonismen und eine Emotionalisierung von Politik. Die Idee einer universalistischen Gesellschaft scheint ein Auslaufmodel zu sein. Eine Zunahme antisemitischer Rhetoriken und Stereotypisierungen zeigt, wie kultiviert und tradiert der Antisemitismus und seine Codes sind. Die Kontinutäten des Antisemitismus sind Anlass der neuen Veranstaltungsreihe des Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst im Grünen Salon, in der die Bedeutung von Antisemitismus in aktuellen politischen Debatten herausgestellt und reflektiert wird.

Die Gedenkstättenund mit ihnen die Erinnerungskultur, sind ein Zeugnis der deutschen Schuld an der Shoah. Zunehmend werden sie in ihrer täglichen Arbeit mit Geschichtsrevisionismus, Relativierung und Leugnung der Shoah konfrontiert. Über den Zugriff auf die Erinnerung soll so ein neues, aufgeklärtes Deutschland, das auf den Lehren aus der Shoah basiert und sich zu ihnen bekennt, durch ein identitäres Deutschland abgewickelt werden. Hier wird die eigene Verantwortung durch Täter-Opfer Umkehr abgewehrt und der Antisemitismus externalisiert, indem man ihn ausschliesslich anderen Gruppen zuschreibt. Seit Höckes Dresdener Rede vom „Mahnmal der Schande“, erteilt deshalb die Thüringer Gedenkstätte Buchenwald den Vertreter*innen der AfD regelmässig Hausverbot.

Spätestens seit dem „Historikerstreit“ zwischen Ernst Nolte und Jürgen Habermas von 1986, wurde der Drang nach einer  revisionistischen „Neubewertung" des industriellen Massenmords an Jüdinnen und Juden auch in Teilen der  Geschichtswissenschaft deutlich. Über die Vergleichbarkeit sowjetischer Gullags mit deutschen Konzentrationslagen wird hier die Singularität des industriellen Massenmordes während der Shoah, in Abrede gestellt. 

Auch im Kunst- und Kulturfeld lassen sich solche Normalisierungen der deutschen Geschichte über die Relativierung und Instrumentalisierung der Shoah finden. Einerseits wird die Shoah immer wieder als ein Verbrechen unter vielen dargestellt und in Folge in Vergleich oder gar Konkurrenz zu anderen Menschheitsverbrechen gesetzt. Andererseits wird die Shoah für politische Kunstprojekte instrumentalisiert, um die Bedeutung und Dringlichkeit der eigenen Arbeit zu unterstreichen – zur Not auch auf Kosten lebender Jüdinnen und Juden. 

„Kontinuitäten des Antisemitismus – Zwischen Abwehr von Schuld und Aneignung von Leid“, thematisiert die relativierenden Zugriffe auf die Shoah, die trotz oder gerade wegen eines unisono “nie wieder”, Teil der deutschen Aufarbeitung sind. Der 21. April ist Yom HaShoah, der Tag des Gedenkens für die Opfer der Shoah und des jüdischen Widerstands.

Programm:

21. April um 19:00 (Einlass 18:30) Panel und Diskussion mit Mirjam Wenzel (Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt), Merle Stöwer (Autorin), Enrico Heitzer (Historiker, Gedenkstätte Sachsenhausen)