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Die Kunst in der Krise

Das Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst wurde aus der politischen, pädagogischen und künstlerischen Praxis gegründet. Wir beobachten einen zunehmenden Kulturpessimismus innerhalb unserer Disziplinen. Die Kunst ist ein zentraler Indikator für den Zustand der demokratischen Kultur der Gesamtgesellschaft. Mit der zunehmenden Ausformung rechter Bewegungen in Europa geraten die zeitgenössischen Kunst-und Kulturdiskurse unter wachsenden Druck. Diese Entwicklungen machen eine verantwortungsbewusste politische Debatte und Positionierung innerhalb der Kunst notwendig. Die zunehmende Etablierung von neurechten Bewegungen in politischen Ämtern bedeutet ihren operativen Einstieg in Kulturpolitik und Kunstdiskurse. Aus diesem politisch motivierten Interesse heraus ergibt sich die direkte Verantwortung der Kunst, ihre eigenen Diskurse zu prüfen und weiterzuentwickeln. Es gilt, keine Lücken entstehen zu lassen, die durch neurechte Ideologien gefüllt werden.

Kulturpessimismus als politische Gefahr für Kunst und Demokratie

Der Kulturpessimismus ist eine destruktive Perspektive auf die Entwicklung der Welt und bringt einen grundsätzlichen Zweifel an der Möglichkeit des Gestaltens zum Ausdruck. Besonders den gesellschaftlichen Fortschritt in liberalen Gesellschaften deuten die Kulturpessimisten zu Untergangsszenarien der Zivilisation um.

Bereits jetzt beobachten wir entlang kulturpessimistischer Narrative die verstärkte Bildung von künstlerischen bzw. ästhetischen und politischen Querfronten.

Eine ablehnende Haltung gegenüber der Moderne hat in weiten Teilen der Kunstwelt dem Kulturpessimismus den Weg bereitet. Beispielsweise wird die eigene kosmopolitische Lebensrealität als Privileg gelebt und gleichzeitig verachtet. Regressiver Antikapitalismus wird über die Kritik am Kunstmarkt formuliert, antimoderne Tendenzen äußern sich u.a. in der Identifikation mit Traditionalismen. Die Übel der Welt werden in der Moderne und der Globalisierung gesehen, die ihren Ursprung in einem westlichen Kulturimperialismus haben. Daraus resultiert ein Bedürfnis privilegierter Kunstschaffender nach moralischem Ausgleich gegenüber den vermeintlich Unterprivilegierten der „Dritten Welt“. Mitunter wird sich deshalb auf die Seite antiemanzipatorischer Bewegungen gestellt. Eine Identitätspolitik, die sich der Stärkung und Verteidigung von Minderheitenrechten verschrieben hat, läuft Gefahr in das Feld identitärer Politik überzugehen, die das genaue Gegenteil zu bewirken versucht. Häufig drückt sich der Umgang mit dem eigenen Privileg in einer antiimperialistischen Haltung aus – Amerika und der Zionismus dienen ihr als exemplarisches Feindbild.

Die neurechte und identitäre Politik greift auf den völkischen „Ethnopluralismus“ zu, um aus der sogenannten Mehrheitsgesellschaft einen homogenen „Volkskörper“ zu erfinden. Dabei bedient sie sich der Untergangsszenarien des Kulturpessimismus und warnt vor dem „Volkstod“ durch „Umvolkung“ wie vor dem Verschwinden von kulturellen Eigenheiten und Traditionen. Spätestens hier formiert sich kulturpessimistisches Denken gegen die Aufklärung und die Demokratie selbst.

Das Forum

Die Antwort auf den Populismus und das kulturpessimistische Weltbild der neuen Rechten Europas kann nicht Linkspopulismus und Kulturpessimismus unter linken Vorzeichen sein. Die einzige Möglichkeit den politischen Gefahren des Kulturpessimismus zu begegnen ist die Aufklärung. Denn die Aufklärung ist in der Lage ihre eigenen Schuldzusammenhänge aufzuklären und den Missständen der modernen Welt zu begegnen.

Das Forum steht für eine progressive und konstruktive Auseinandersetzung mit der Rolle der Kunst in einer offenen und postmigrantischen Gesellschaft. Deshalb arbeiten wir eng mit Gruppen von Expert*innen zusammen, die sich mit den Bedingungen und Gefahren identitärer Narrative und nationalistischer Bewegungen beschäftigen. Unser Netzwerk beobachtet und dokumentiert die politischen Diskurse der neuen Rechten im Internet und öffentlichen Räumen wie Bildungseinrichtungen. Auf diese Weise können wir schnell und gezielt aktuelle Entwicklungen thematisieren, die Auswirkungen auf Kunst und Gesellschaft haben.

In Vorträgen und Workshops an Kunsthochschulen und Akademien beschreiben wir die gegenwärtigen politischen Gefahren für die Kunst und die Demokratie. Das Forum erarbeitet Möglichkeiten diese künstlerisch zu thematisieren und veranstaltet Konferenzen, Vortragsreihen und Workshops zur politischen Lage der Kunst. Auf dieser Internetseite werden fortlaufend Interviews sowie kritische Beiträge zu Ausstellungen, Veranstaltungen und aktuellen Entwicklungen in der Kunst veröffentlicht.


Das Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst wurde 2018 als Projekt der Amadeu Antonio Stiftung in enger Kooperation mit dem Forschungsgruppe Modellprojekte e.V. gegründet.







Art in crisis

The Forum for Democratic Culture and Contemporary Art was founded to address the current exigencies of political, pedagogic and artistic practice. We are observing a rising level of cultural pessimism within our disciplines. Art is a crucial indicator for the state of democratic culture in society as a whole. With the wider emergence of right-wing movements in Europe, contemporary discourses on art and culture are coming under growing pressure. These developments necessitate a responsible political debate and positioning within the world of art. The increasing establishment of New Right movements in political offices signifies their operative infiltration of cultural policy-making and artistic discourse. This politically motivated interest entails the direct responsibility of art for monitoring and progressing its own discourses. The task is to prevent gaps from forming that are then filled by New Right ideologies.

Cultural pessimism as a political hazard for art and democracy

Cultural pessimism is a destructive approach to ongoing developments worldwide, and expresses a fundamental doubt regarding the very possibility of influencing them. In particular, cultural pessimists are re-interpreting social progress in liberal societies as apocalyptic scenarios of civilizational collapse.

We are already observing along the cultural-pessimism narratives an increased formation of artistic/aesthetic and political Third Positions.

A rejective stance towards modernity has prepared the way for cultural pessimism in large portions of the art world. For example, a person’s own real-life circumstances are experienced as a privilege and at the same time viewed with contempt. Regressive anti-capitalism is formulated through criticism of the art market, while anti-modern tendencies are manifested not least in identification with traditionalisms. The evils of the world are perceived in modernity and globalization, which originate in a cultural imperialism of Western civilization. This results in a need among privileged art creators for moral restitution towards the putative underprivileged of the Third World. This is why they sometimes sign up to anti-emancipatory movements. An identity-driven policy that has set itself to strengthen and defend minority rights is at risk of transposing into the field of identitary politics, which are attempting to achieve the precise opposite. The apperception of experiential privilege is often expressed in an anti-imperialist mindset – America and Zionism serve here as exemplary bogeymen.

The New Right’s identitary policies borrow from tribalistic “ethnopluralism”, so as to invent from the so-called “majority society” a homogenous “genetic stock”. They draw here upon the apocalyptic scenarios of cultural pessimism, and warn us against “racial extinction” through “ethnomorphosis” and the disappearance of cultural identity and traditions. It is here at the latest that culturally pessimistic mindsets are formed in opposition to the Enlightenment as such and democracy itself.

The Forum

The answer to populism and the culturally pessimistic worldview of Europe’s New Right cannot be left-wing-influenced populism and cultural pessimism. The only option for countering the political dangers of cultural pessimism is the Enlightenment, since this is able to elucidate the causal ramifications of the culpability feelings involved and to counter the evils of the modern world.

The Forum stands for a progressive, constructive engagement with the role of art in an open, post-migrant society. We accordingly work closely together with groups of experts who engage with the conditions and dangers of identitary narrative and nationalist movements. Our network observes and documents the political discourses of the New Right on the internet and in public spaces like educational institutions. In this way, we can swiftly and purposefully thematize ongoing developments affecting art and society.

In presentations and workshops at art colleges and academies, we describe the current political dangers for art and democracy. The Forum formulates options for thematizing these in artistic form, and organizes conferences, lecture series and workshops on the political situation of the art world. On this website, interviews and critical postings on exhibitions, events and ongoing developments in the world of art are continually published.


The Forum for Democratic Culture and Contemporary Art was founded in 2018 as a project of the Amadeu Antonio Foundation in close cooperation with the Forschungsgruppe Modellprojekte e.V.(Research Group for Pilot Projects).